Hormel Frauenärzte
 
   
Infektionen  
   
 

Im Laufe der Schwangerschaft können vielfältige Infektionen zu erheblichen Problemen bei Mutter und Kind führen. Einige Infektionen wie z.B. Hepatitis B, Röteln, HIV und Lues werden im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge untersucht.

Es gibt aber weitere Erreger aus dem Bereich der Viren, Bakterien und Einzeller, die die Schwangerschaft z.T vital bedrohen.

Deshalb gilt: Bei allen unklaren Infektionen (z.B.mit Hautausschlag) kontaktieren Sie bitte einen Arzt. Das gleiche gilt für Kontakt von Schwangeren mit Personen die an Kinderkrankheiten leiden.

Scheideninfektionen:
Scheideninfektionen gelten als häufige Ursachen für Frühgeburten und für Geburten untergewichtiger Kinder. Durch zweimal wöchentliche Selbstuntersuchung des Säuregrades ihres Scheidenmilieus lassen sich frühzeitig Infektionen der Scheide nachweisen und eine rechtzeitige Behandlung einleiten.

Insbesondere die Rate der frühen Frühgeburten (vor der 32. Schwangerschafts-woche) konnte mittels speziellem Testhandschuh deutlich verringert werden.

Die von der Schwangeren selbstständig zu Hause durchgeführte Untersuchung ist deshalb eine sinnvolle Ergänzung zu den regelmäßig stattfindenden gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen, inbesondere dann, wenn bereits von Frühgeburten und/oder vorzeitiger Wehentätigkeit in vorrausgegangenen Schwangerschaften zu berichten ist.

Toxoplasmose:
Sie haben bestimmt schon von der Krankheit gehört, die unter anderem von Katzen auf den Menschen übertragen werden kann. Da bei einer Infektion während der Schwangerschaft der Fötus mitbetroffen ist, wird sie vor allem bei der schwangeren Frau zur Gefahr. Auslöser dieser Krankheit sind kleine, einzellige Tierchen, sogenannte Protozoen, die sich "Toxoplasma gondii" nennen. Sie gelten als weltweit verbreitet und befallen neben dem Menschen und der Katze noch zahlreiche andere Tiere. Sie wurden im Jahr 1908 zum ersten Mal entdeckt und deren Bedeutung für den Menschen 1939 erkannt. Heute gilt die Toxoplasmose, so der Name der Krankheit, zwar immer noch als Zoonose ( vom Tier auf den Menschen übertragene Krankheit), ist aber durch ein fundiertes Wissen über Epidemiologie und den Zyklus des Erregers durch vorbeugende Massnahmen kontrollierbar.

Wie alle Lebewesen durchlaufen auch die Toxoplasmen einen Lebenszyklus und vermehren sich. Sie gehören zu den Parasiten, das heisst sie leben und ernähren sich von anderen Organismen und bewohnen somit obengenannte Wirte (z.B. Mensch, Katze und andere Tiere). Zu ihrer Spezialität gehört, dass sie sich je nach Wirt unterschiedlich verhalten.


Dabei spielt die Katze eine ganz besondere Rolle. Nur bei der Katze bleiben die Toxoplasmen nach der Infektion im Darm. Dort bilden sie Oozysten. Die Oozysten sind nichts weiteres als die Eier der Toxoplasmen. Sie werden von der Katze beim Kotabsetzen ausgeschieden, und sind 2-3 Tage später infektiös.
Bei allen anderen Tieren, inklusive dem Menschen wandern die Toxoplasmen nach der Infektion aus dem Darm aus und besiedeln verschiedenste andere Organe und die Muskeln. Dort findet eine Zystenbildung statt. Diese Zysten sind zwar auch infektionsfähig, werden aber, da sie gut abgekapselt im jeweiligen Gewebe liegen, nicht ausgeschieden. Eine Infektion durch Toxoplasmazysten findet also nur statt, wenn das entsprechende Organ, beziehungsweise der Muskel, verzehrt wird. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn die Katze eine Maus fängt, der Mensch ungenügend gekochtes oder gar rohes Fleisch isst. Glücklicherweise haben wir Menschen, wie auch alle anderen Wirtstiere, ein gut ausgebildetes Immunsystem. Durch Antikörperbildung bekämpft dieses eine Erstinfektion mit Erfolg und schützt den Organismus gegen spätere Neuinfektionen. Dies führt dazu, dass Infektionen oft symptomlos vorbeigehen und nur durch Bestimmung des Antikörpertiters ( Menge der Antikörper im Blut) erkannt werden können.


Diese Titerbestimmung wird auch ausgenutzt, um die Gefahr für bestimmte Risikogruppen, wie zum Beispiel schwangere Frauen, abzuschätzen. Denn wird eine werdende Mutter zum ersten Mal infiziert, schützt das Immunsystem zwar die Mutter vor der Krankheit, nicht aber das Kind vor einer Infektion. Über die Plazenta (Mutterkuchen) wandern die Erreger zum Fötus, und führen dort, je nach Stadium der Schwangerschaft, zu Abort oder zu schweren Schäden im Gehirn und im Auge. Deshalb sollte im Rahmen der Schwangerschaftsuntersuchungen das Blut der Schwangeren auf Toxoplasmen abwehrende Antikörpern untersucht werden. Ausschlaggebend ist, wie schon gesagt, der Titer:" ist dieser gleich Null, heisst das, die Frau hatte noch nie Kontakt mit Toxoplasmen und hat noch keine Antikörper bilden können
" liegt der Titer auf mittlerer Höhe, hat die Frau bereits Antikörper und ist zusammen mit ihrem Kind gegen Toxoplasmen geschützt
" nur bei sehr hohem Titer ist eine akute Infektion in Betracht zu ziehen und es sollten weitere Untersuchungen durchgeführt werden.
Gefährdet sind deshalb nur schwangere Frauen der ersten Gruppe. Die beste vorbeugende Massnahme gegen eine Erstinfektion während einer Schwangerschaft ist eine gute Hygiene. Wie wir schon wissen, werden Oozysten von den Katzen über den Kot ausgeschieden. Speichel, Nasensekret und Urin sind frei davon. Somit ist vor allem dem Umgang mit der Katzentoilette besondere Beachtung zu schenken. Durch das Vermeiden des direkten Kontaktes mit dem Katzenkot (Handschuhe, Zweitpersonen) kann einer Infektion ausgewichen werden. Zudem werden die Oozysten, wie bereits erwähnt, erst 2-3 Tage nach der Ausscheidung infektiös. Das tägliche, gründliche Reinigen des Katzenklos ist deshalb wichtig.


Die lnfektionsgefahr durch den Genuss von zystenhaltigem Fleisch erheblich grösser als Infektionsquelle für Toxoplasmose. Nicht nur ungenügendes Kochen, sondern auch unsachgemässer Umgang in der Küche führt zur Infektion. Über ungewaschene Hände nach dem Vorbereiten von Fleisch, können infektiöse Zysten auch auf rohgegessene Speisen, (z.B. Salate) übertragen werden. Ebenso ist Hygiene während und nach der Gartenarbeit wichtig. Handschuhe tragen und Gemüse waschen ist die beste Vorbeugung gegen eine Infektion. Denn einmal ausgeschieden, bleiben Oozysten über Jahre infektiös und wer weiss, wo Nachbars Katze ihre Oozysten überall verstreut.

Durch eine Blutuntersuchung lässt sich eine frühe Toxoplasmoseinfektion feststellen um frühzeitig eine Behandlung zu beginnen und damit das ungeborene Kind vor Schäden zu bewahren. Ebenfalls lässt sich mit der Blutuntersuchung feststellen, ob überhaupt eine Infektion der Schwangeren möglich ist.

 

B-Streptokokken
B-Streptokokken sind Bakterien und kommen bei ca. 40% der Bevölkerung in großen Mengen als Darmkeim vor.
Häufig bestehen auch Scheideninfektionen mit Streptokokken, die keine Symptome verursachen und auch nicht therapiert werden müssen. Besteht eine Scheideninfektion während der Schwangerschaft sind ebenfalls zunächst keine Nachteile für Mutter und Kind zu befürchten.
Zum Zeitpunkt der Entbindung, wenn das Kind den Geburtskanal passiert, können die Streptokokken auf das Neugeborene übergehen und schwerwiegende Infektionen, insbes. der Atemwege hervorrufen, die dann häufig eine stationäre Überwachung im Krankenhaus und Antibiotikagabe beim Säugling nötigmachen.

Am Ende der Schwangerschaft (35.-38. Woche) kann ein Abstrich zum Nachweis der Streptokokken in der Scheide durchgeführt werden. Sollte eine Besiedelung des Geburtsweges nachgewiesen werden, kann durch eine Antibiotikagabe (Penicillin) unter der Entbindung das Risiko für eine Infektion des Neugeborenen drastisch reduziert werden.

Die beschriebenen Infektionen haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und sollen nur exemplarisch auf die Problematik hinweisen. Eine exakte individuelle Diagnostik ist in jedem Fall nötig!

     

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